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Mir fällt gerade auf, dass der Faden eigentlich in den Kultur-Bereich gehören müsste. Ehm… nun ja.
Mm, wo wir doch schon einmal hier sind (und es so ruhig ist): Ist euch überhaupt bewusst, wie umfassend die Folgen der falschen Identität von Sache und Begriff sind? Das Problem der verwalteten Welt beispielsweise beruht im Inneren genau darauf; man könnte sagen, es ist einer der wesentlichen Grundprinzipien der Kritischen Theorie (und natürlich die Beschreibung der Negativen Dialektik). Falls es jemand immer noch nicht begriffen hat: Die Sache, also das reale Etwas, das Ding, das man wahrnimmt, ist nicht identisch mit dem Begriff, den man der Sache zuordnet. „Apfel“ ist z.B. ein Begriff; er wird auf alle Dinge angewendet, die dem groben Raster der Definition entsprechen – damit ist ein roter Apfel auch ein grüner Apfel, ein verdorbener Apfel auch ein gesunder Apfel. Diese Identifikation ist in der Wissenschaft notwendig, denn Wissenschaft versucht, das Reale so abstrakt zu machen, dass es verständlich ist – dass man es also begreifen (Begriff) kann. Problematisch ist aber nicht nur, dass diese Abstraktion eigentlich falsch ist (wie erwähnt ist jeder Apfel anders), sondern dass sie auch auf den Menschen angewandt wird. Und sobald das geschieht, sprechen wir von Verdinglichung. Jede Identität ist ein Zwang: ist man angeblich z.B. ein redseliger Mensch, erwartet man, dass man eben zu jeder Zeit redet. Identitäten sind auch für Xenophobie, Homophobie, Rassismus etc. verantwortlich, sie erzeugen künstlich ein Anderssein, das zur gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit führt – der bekannten Unterscheidung zwischen Primär- und Fremdgruppen. Aber auch der Alltag ist durchdefiniert, z.B. durch Institutionen wie der Schule. Anschaulich gemacht, könnte man es so darstellen:
Begriff: Schule, von 6.00 bis 16.00 Schulstoff aufnehmen, 18.00 bis 20.00 Lernen Sache: Zwang zu einem Gebäude zu gehen, teilweise dem Unterricht zu hören, teilweise nicht, zwar lernen, aber sich lieber mit einem eigenen Steckenpferd beschäftigen, das die Schule nicht anbietet
Institutionen, Termine, die Wirtschaft, das alles sind Zwänge, voraus bestimmte Einheiten, die aber der Sache nicht entsprechen können oder sie unnötig einschränken. Alles ist durchdefiniert: Kindergarten, Schule, Weiterbildung, Arbeit, Rente. Wo aber bleibt die Freiheit? Ist man überhaupt irgendwann in der Lage, das zu tun, das man aus freiem Willen heraus auch wirklich möchte? Adorno hatte ein schönes Beispiel parat: Die Figuren in Romanen sind eigentlich allesamt Lügen. Nehmen wir z.B. diesen Drake aus ehm… na… wie hieß es? Uncharted! Der ist auf der Suche nach irgendwelchen Schätzen, legt sich mit irgendwelchen Typen an etc. Wie verdient der seinen Unterhalt? Ist das eine Person, die üblich ist? Die realistisch ist? Nein, die Freiheiten, die die Figuren in Geschichten haben, die gibt es gar nicht! Denn schon am nächsten Morgen muss man schließlich arbeiten, büffeln oder in die Schule gehen. o.o
Oh, ein bissel viel Text. Das ist wohl diese kurze Phase, die ich kurz vor dem Zubettgehen häufig habe xD
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